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Buchinger Wilhelmi: Was therapeutisches Fasten bei Parkinson leisten könnte

Ein Dokumentarfilm auf ARTE und eine kleine Pilotstudie werfen eine ungewöhnliche Frage auf. Die Fastenklinik liest die Daten vorsichtig und sagt deutlich, für wen Fasten nicht infrage kommt.

Frau mit Wasserglas auf einer Terrasse von Buchinger Wilhelmi, darunter Garten, Pool und der See
Bei Buchinger Wilhelmi: Blick über Garten und Pool der Klinik auf den See. Foto: Buchinger Wilhelmi

Kann Fasten Menschen mit Parkinson helfen? Die Frage klingt nach einem Heilsversprechen, doch die Fastenklinik Buchinger Wilhelmi stellt sie bewusst nüchtern. Anlass sind ein Dokumentarfilm auf ARTE und eine Pilotstudie, die erste klinische Daten liefert. Das Familienunternehmen mit Kliniken in Überlingen am Bodensee und in Marbella beschreibt beides und zieht eine klare Linie zwischen Hoffnung und Beleg.

Eine Patientin vor der Kamera

Im ARTE-Film „Les bienfaits du jeûne thérapeutique“ erzählt Martine, die mit Parkinson lebt, welche Rolle das Fasten in ihrem Leben spielt. Sie fastet regelmäßig, auch bei ärztlich begleiteten Aufenthalten bei Buchinger Wilhelmi, und berichtet von positiven Veränderungen im Umgang mit ihren Symptomen. Die Klinik betont selbst, was daraus folgt und was nicht: Eine einzelne Erfahrung belegt keine klinische Wirksamkeit. Sie ist ein Anlass, genauer hinzusehen.

Was die Pilotstudie gemessen hat

Forschende der Universität Luxemburg, der Charité Berlin und weiterer europäischer Einrichtungen haben 31 Patientinnen und Patienten mit Parkinson begleitet. Das Protokoll hatte zwei Phasen. Zuerst fasteten die Teilnehmenden sieben Tage lang und nahmen dabei höchstens 350 Kalorien am Tag zu sich. Danach folgten zwölf Monate mit zeitlich begrenztem Essen: Alle Mahlzeiten fielen in ein tägliches Fenster von acht Stunden.

Die vorläufigen Ergebnisse fallen ermutigend aus. Beobachtet wurden Verbesserungen bei motorischen Symptomen, also bei Bewegungsproblemen, Steifigkeit und Zittern, dazu ein Rückgang bestimmter nicht motorischer Beschwerden. Auch die Werte für Angst und Depression besserten sich. Bemerkenswert ist die Dauer: In mehreren klinischen Bewertungen waren Verbesserungen bei der Nachuntersuchung nach zwölf Monaten weiterhin festzustellen.

Rundbau von Buchinger Wilhelmi mit Panoramafenstern, drinnen ruht eine Patientin während einer Anwendung
Ruhephase während einer Anwendung, mit Blick ins Grüne. Foto: Buchinger Wilhelmi

Warum die Daten vorsichtig zu lesen sind

Buchinger Wilhelmi nennt die Schwächen der Studie selbst. Sie war klein, es gab keine Kontrollgruppe ohne Fasten, und das Fasten wurde mit einer anschließenden Ernährungsumstellung kombiniert. Welcher Anteil der Verbesserungen auf das Fasten selbst zurückgeht, lässt sich deshalb noch nicht bestimmen. Die Arbeit ist bisher als Preprint erschienen, also vor der Begutachtung durch andere Fachleute. Erst kontrollierte klinische Studien können zeigen, ob sich die Befunde bestätigen und welche Patientinnen und Patienten am meisten profitieren könnten.

Die Grenze formuliert die Klinik unmissverständlich. Therapeutisches Fasten ist bei Parkinson keine etablierte Behandlung, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt oder umkehrt. Es darf die konventionelle medizinische Versorgung niemals ersetzen.

Wer fasten darf und wer nicht

Wie ernst das Haus diese Grenze nimmt, zeigt die Auswahl. Medizinisch begleitetes Fasten kommt nur für sorgfältig ausgewählte Menschen in einem frühen Stadium der Erkrankung infrage, und erst nach einer umfassenden ärztlichen Untersuchung. Mit fortschreitender Krankheit verlieren manche Betroffene ungewollt Gewicht, entwickeln Nährstoffmängel oder büßen Muskelmasse und Kraft ein. Dann kann längeres Fasten zusätzliche Risiken bergen.

Das Ärzteteam prüft deshalb vor jeder Entscheidung den allgemeinen Gesundheitszustand, den Ernährungszustand, die körperliche Verfassung, die laufende Medikation und das Krankheitsstadium. Ist Fasten nicht ratsam, setzt die Klinik auf individuell abgestimmte Ernährungsstrategien. Der Schutz der Gesundheit hat dabei immer Vorrang.

Einordnung der Redaktion

Buchinger Wilhelmi stützt sich auf mehr als 100 Jahre klinische Erfahrung mit dem therapeutischen Fasten und unterhält eine eigene Forschungsabteilung. Gerade deshalb fällt auf, wie zurückhaltend das Haus die neuen Daten einordnet. Für Menschen mit Parkinson heißt das: Die Spur ist interessant, eine Empfehlung ist sie nicht. Wer über Fasten nachdenkt, bespricht das zuerst mit der behandelnden neurologischen Praxis.